Frauen* der Geschichte

Unsere Stadt ist wieder etwas bunter geworden & darüber freuen wir uns. Vor allem freut es uns aber, dass Frauen* im Stadtbild Raum gegeben wurde, die für eine befreite Gesellschaft für alle kämpfen und gekämpft haben – wir möchten euch mit ihnen vertraut machen!

L A U R I E  P E N N Y

Englische Schriftstellerin, Bloggerin und Feministin.

Laurie Penny wurde 1986 in London geboren und ist nicht nur in Brighton, sondern auch im Internet aufgewachsen. Ob über ihren Blog Penny Red oder Twitter, die Kämpferin für Emanzipation teilt ihre Meinungen mit – das tut sie unter anderem auch für die Zeitungen The Independent , The Guardian und The Times.

In ihren Büchern Meat Market (dt. Fleischmarkt) und Unspeakable Things Sex, Lies and Revolution (dt. Unsagbare Dinge Sex, Lügen und Revolution) kritisiert sie nicht nur das Patriarchat, sondern stellt sich gegen all diejenigen, die uns Feminist*innen und Frauen* als Unterdrückte festschreiben und ebenso als solche behandeln. Es geht um Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit. Dabei will sie nicht lehren wie mensch Feminist*in wird oder sich „richtig“ verhält. Sie appelliert stattdessen an uns, sich nicht mundtot machen zu lassen – vor allem dann, wenn der Begriff „Feminismus“ von vielen immernoch (und leider immer wieder) abwertend aufgenommen wird. Frauen* sollen nicht dem Zwang erliegen die „zugedachten Rollen“ wahrzunehmen und sich nicht ausbeuten lassen, wie es zum Beispiel in Bezug auf Haushalt und Arbeitslohn vor allem im Kontext der Care-Arbeit erschreckenderweise die Regel ist.
Speziell in Meat Market beschreibt sie die erniedrigende Stellung des weiblichen* Körpers in dieser Gesellschaft. Es geht um Formen des Bodyshamings, bei dem Frauen* durch Werbe- und Verhaltensstrukturen kontrolliert werden und so das Bild eines „schönen und makellosen Körpers“ aufgezwungen wird. Laurie Penny selbst hat diesen Zwang miterlebt und hat immernoch mit den Nachwirkungen ihrer Essstörung zu kämpfen. Ein Wirkungsmechanismus, so sagt sie in einem Interview, besteht darin, dass weibliche* Körper ständig Objektifizierungen unterworfen sind, Frauen* allzu oft nur als Sexobjekte wahrgenommen werden und ihre Sexualität somit als Verhandlungsdruckmittel angesehen wird.

Ihrem Zorn lässt sie in ihren Büchern und im Internet freien Lauf. Weil Laurie Penny definitiv bereit ist, rücksichtslos für weitere Unabhängigkeit zu kämpfen und lautstark ihre Stimme erhebt, gilt sie derzeit als eine der wichtigsten jungen Feminist*innen.

„Nicht der Sex ist das Problem, sondern der Sexismus!“

LAURIE

Nachtrag zur Laurie Penny

Im Rahmen unserer Kampagne Frauen* der Geschichte haben wir Laurie Penny, eine englische Bloggerin, Schriftstellerin und junge Feministin, vorgestellt. In ihren Büchern „Fleischmarkt“ und „Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution“ nimmt sie erfrischend wütend u.a. den Sexismus in Medien und Gesellschaft, Schönheitsideale, sowie das verbreitete Bild der romantischen Liebe auseinander und stellt immer auch einen Bezug zu den kapitalistischen Herrschaftsverhältnissen, in denen wir leben, her.

Aus gegebenem Anlass sind wir angeregt uns aus einer anderen Perspektive mit ihr auseinanderzusetzen. Im Frühjahr 2016 hat Laurie Penny einen offenen Brief an die deutsche Linke verfasst, in dem sie auf ihr entgegengebrachte Antisemitismus-Vorwürfe Stellung nimmt.¹ Sie ist Unterstützerin der sogenannten „Boykott, Divestment and Sanction“-Kampagne², die sich gegen den Staat Israel als eine vermeintliche illegitime Besatzungsmacht richtet und diesen in eine Reihe mit dem ehemaligen Apartheidregime Südafrikas stellt. Es wird ein wirtschaftlicher, kultureller und politischer Boykott Israels gefordert. Die Bewegung, die aus dieser Kampagne heraus erwuchs, wird von einigen Kritiker*innen als antisemitisch eingestuft, da eine Illegitimität des Staates Israel als einen jüdischen Staat vermittelt wird. 3, 4

Wir möchten als vornehmlich antisexistisch und feministisch aktive Gruppe keine Positionierung diesbezüglich einnehmen, uns ist es dennoch wichtig kritisch die politischen Facetten von Frauen* und Gruppen zu hinterfragen, mit denen wir zusammenarbeiten oder auf die wir aufmerksam machen.

¹ https://www.facebook.com/lauriepenny/posts/541720199343009
² http://bds-kampagne.de/aufruf/aufruf-der-palstinensischen-zivilgesellschaft/
³  https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/broschucre-aktionswochen_final.pdf
4 https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/themen/gegen-as/antisemitismus-heute/chronik-antisemitischer-vorfaelle-2016/


F R I D A  K A H L O

Frida Kahlo ist eine der bedeutensten Künstlerinnen Latein Amerikas.
Sie wuchs auf in Zeiten der Mexikanischen Revolution und wurde stark durch diese beeinflusst. Später nannte sie das Jahr 1910 sogar als ihr Geburtsjahr, um ihre Verbundenheit zu dem neuen Mexico zu demonstrieren.

In ihren Bildern verarbeitete sie schonungslos die Themen, die sie bewegten, wie z.B. den schweren Unfall, den sie mit 19 Jahren erlitten hatte und an dessen Folgen sie zeitlebens litt und zu ihren erlebten Fehlgeburten führte.
Aber nicht nur in der Kunst war Frida konsequent, sie trat voll und ganz für die Sachen und Menschen ein, die ihr wichtig waren. Sie sagte, was sie dachte, und ließ sich nicht von damaligen gesellschaftlichen Normen verbiegen. Beispiele dafür sind, dass sie die damals im mexikanischen Mittelstand ungern gesehenen, trationellen Trachten trug, sowie Herrenanzüge – und auch, dass sie Wert auf ihre zusammengewachsenen Augenbrauen legte, obwohl dies damals [wie heute] als unweiblich galt.

Frida Kahlo hat sich selber wahrscheinlich nicht als Feministin bezeichnet, aber durch ihr Schaffen und ihr selbstbestimmtes Leben, ist sie ein tolles Vorbild für jede Frau* und jeden Menschen.

“I must fight with all my strength so that the little positive things that my health allows me to do might be pointed toward helping the revolution. The only real reason for living.”

FRIDA

S O O K E E

sookee (*29. Dezember 1983), auch unter dem Namen Quing of Berlin bekannt, ist Feministin und eine starke Frau* im deutschen Hip Hop, die Schwächen nicht als Unzulänglichkeiten versteht. Ihre Selbstbezeichnung Quing – als Zusammenschluss von Queen und King – kann als ein Sinnbild dafür aufgefasst werden, dass sie sich für ein Verständnis von Geschlechts_identitäten einsetzt, das nicht in das Korsett der Zweigeschlechtlichkeit (männlich – weiblich) passt.

In Ihrem praktischen Arbeiten macht sie ihre Kenntnisse in Workshops und Vorträgen zugänglich, sie stellt ihre Perspektiven bei öffentlichen Diskussionen vor und positioniert sich in ihrem politischen Aktivismus und durch ihre Texte. Sookee baut eine Brücke zwischen Sprache, Hip Hop und Medien und erforscht die politischen Dimensionen und Wechselwirkungen dieser Elemente.

Sie ist bekannt für ihr Arbeiten in queeren Zusammenhängen und engagiert sich gegen Diskriminierungen verschiedenster Facetten – Homophobie, Hetero_Seximus und Rassismus prangert sie in der Hip Hop-Szene, wie auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext an. Die Hip Hop-Szene versteht sie hierbei als einen Teil der Gesellschaft, in dem strukturell diskriminierende Verhalten sichtbar werden, als Mikrokosmos können diese aber in intensivierter Form ihre Wirkmächtigkeit entfalten.

Das Erkennen, sichtbar Machen und Aufbrechen von Machtstrukturen, wie auch das Ausprobieren und Wertschätzen von Identität_en in verschiedenen Lebenswelten scheinen für sie einen hohen Stellenwert einzunehmen. Ihr Werden und Wirken sind prozesshaft und fehlerfreundlich – weiter_denken, kritisch nachfragen und Dialoge zu führen gibt sie als drei wichtige Achsen in ihrer Entwicklung an.

„Ich fänds unanständig kein*e Feminist*in zu sein.“

SOOKEE


E M M A  G O L D M A N

Anarchistin, Antimilitaristin und feministische Theoretikerin

Emma Goldman (* 1869, + 1940) wuchs im russischen Reich (heute Litauen) auf. Sie verbrachte ihre Jugend in Sankt Petersburg, hier kam sie das erste Mal mit revolutiönären Ideen und dem Anarchsimus in Kontakt. Im Alter von 17 Jahren emigrierte sie nach Amerika und sollte dort eine der zentrale Figuren der anarchistischen und feministischen Bewegungen werden. Ihr Leben ist geprägt von ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Autoritäten und dem Kampf nach einem befreiten Leben. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen den Kapitalismus und die Religion. Sie sah diese, sowie staatliche Institutionen, als Instrumente der Unterdrückung an. Sie vertrat ihre Positionen konsequent und öffentlichkeitswirksam in verschiedenen Schriften, ab 1906 gab sie selbst mit ihrem Lebensabschnittsgefährten Alexander Berkman die Zeitschrift “Mother Earth” heraus. Goldman, die landesweit als “die rote Emma” bekannt war, musste sich auch immer wieder gegen staatliche Repression zur Wehr setzten. So wurde sie dreimal verhaftet bis mensch sie schließlich 1919 des Landes verwies und zurück nach Russland brachte.

Emma Goldman begriff als eine der Ersten die Unterdrückung des weiblichen Geschlechts als gesamtgesellschaftliches Problem, so schloß ihrer Meinung nach die Emanzipation immer auch die Männer* mit ein. Sie setzte sich dafür ein, dass Frauen* ihre Liebe und Sexualität frei ausleben dürfen und forderte immer wieder freizugängliche Mittel der Geburtenkontrolle. Außerdem vertrat sie die Vorstellung von einer starken, selbstbewussten und selbstbestimmten Frau*. Sie lehnte die Ehe ab, da sie ein rein ökonmisches Instrument sei, welches zur Abhängigkeit der Frau* führe.

Emma Goldman ist in vielerlei Hinsicht eine starke Frau* gewesen, die schon damals mit ihren Ideen die Welt verändern wollte, um gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu kämpfen!

“Wenn ich nicht tanzen kann, will ich eure Revolution nicht.”

EMMA


R O S A  L U X E M B U R G

Rozalia Luksenburg wurde am 5. März 1871 in Zamosc, Polen, als fünftes und letztes Kind eines Holzhändlers geboren. In ihrer Jugend stellte sich raus, dass sie sehr sprachenbegabt war und ein reges Interesse an Botanik, Geologie und Musik weckte. Sie besuchte das Frauengymnasium Warschau, wo sie das Abitur als Klassenbeste bestand. In Warschau machte sie sich erstmals mit Schriften Karl Marx‘ bekannt und gehörte der verbotenen Gruppe „Proletariat“ an, weshalb sie 1888 vor der Zarenpolizei in die Schweiz floh. Ab 1889 besuchte sie die Universität Zürich, da es die einzige Universität im deutschsprachigem Raum war, welche es zuließ, dass Frauen* und Männer* gleichberechtigt studierten. Während ihrer Studienzeit in Zürich bekam sie erste Einblicke in die Entwicklung der SPD und begann eine Liebesbeziehung mit dem polnischen Marxisten Leo Jogiches, welcher ihr zeitlebens politisch eng verbunden blieb. Als promovierte Volkswirtin kam Rosa Luxemburg 1898 nach Berlin und begann eine einzigartige Karriere in der deutschen und internationalen Arbeiter*innenbewegung. Durch ihre glänzenden Reden bekam sie schnell hohes Ansehen in der SPD, nahm an Parteitagen teil und bestimmte die Politik der Sozialdemokratie in Polen mit. Außerdem war sie Delegierte bei den Kongressen der II. Internationalen und ab 1903 Mitglied des Internationalen Sozialistischen Büros.
Rosa Luxemburg hatte auch regen Kontakt mit den Arbeiter*innen selbst, in dem sie durch das Land fuhr, Reden hielt und an der Parteischule der SPD lehrte. Darüber hinaus kritisierte sie den beginnenden Reformismus der Sozialdemokratie stark und provozierte mit ihrer Haltung gegen die Kriegskredite bei Kriegsausbruch 1914 die Spaltung der SPD. Ab 1914 musste Rosa Luxemburg die meiste Zeit im Gefängnis verbringen. Nach der Novemberrevolution 1918 in Deutschland gab sie zusammen mit Karl Liebknecht die Zeitung „Die Rote Fahne“ heraus, worin sie sich für eine Räterepublik und gegen die parlamentarische Republik aussprachen.

Sie erlebte noch den Gründungsparteitag der KPD und wurde schließlich aufgrund ihres revolutionär gestimmten Geists am 15. Januar 1919 von deutschen Freikorps ermordet.
Rosa Luxemburg war als Frau*, Jüdin und leicht behindert dreifach stigmatisiert und prägte dennoch die sozialistische Politik in Deutschland sehr stark.

„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass dieser Staat zerstört werden muss.“

ROSA


C L A R A  Z E T K I N

Am 5. Juni wird Clara Zetkin als Clara Eißner in Wiederau (Sachsen) geboren. Sie ist die Tochter des Dorfschullehrers Gottfried Eißner und Josephine Eißners, welche viel Kontakt zu damaligen Vorreiter*innen der Frauen*bewegung hatte. Später wurde Clara Zetkin selbst Führerin und Theoretikerin der deutschen proletarischen Frauen*bewegung und setzte sich vor allem dafür ein, dass auch Frauen* eine Teilnahme am Klassenkampf möglich war. Um breite Bevölkerungsmassen zu erreichen, leitete sie von 1892 bis 1917 die sozialistische Frauen*zeitschrift „Die Gleichheit“.
Zetkin war zudem eine der Mitgründer*innen des Spartakusbunds, ein oppositionelles Bündnis, das sich gegen die sozialdemokratische Burgfriedenspolitik richtete. Außerdem vertrat sie die erst später gegründete KPD im Reichstag.


Bis zu ihrem Tod 1933 setzte sich Zetkin für die Frauen*rechtsbewegung ein und plädierte bis zuletzt für eine Einheitsfront gegen den drohenden Faschismus und für den Zusammenbruch der herrschenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung.

„Die Emanzipation der Frau, wie die des ganzen Menschengeschlechtes, wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein.“

CLARA


R O S A  P A R K S

Rosa Louise Parks (geborene McGauley) wurde am 4. Februar 1913 in Montgomery, Alabama geboren. Sie wurde zusammen mit ihrem Bruder Sylvester von ihrer Mutter und ihren Großeltern aufgezogen. Wie das Leben vieler Afroamerikaner*innen in den Südstaaten, war auch das Leben Rosa Parks von Rassentrennung geprägt – an öffentlichen Gebäuden, Verkehrsmitteln, Toiletten, Schulen und auch Parkbänken. Deshalb besuchte sie auch eine Schule, die nur Afroamerikaner*innen vorbehalten war. Beruflich war sie anschließend hauptsächlich als Schneiderin beschäftigt. Nachdem sie 1932 den Friseur Raymond Parks heiratete, welcher der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) angehörte, wurde sie immer mehr in der Bürgerrechtsbewegung aktiv. 1943 begann sie, neben ihrem Beruf, als Sekretärin bei der NAACP zu arbeiten.


Das wohl bekannteste Ereignis des Werdegangs Rosa Parks spielte sich jedoch erstt am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama, ab. Rosa Parks wurde verhaftet, weil sie sich weigerte in einem Bus, einen für „Weiße“ vorbehaltenen Platz zu räumen. Sie wurde zur „Störung öffentlicher Ruhe verurteilt“ und musste 10 $ Strafe und 4$ Gerichtskosten zahlen. Dieses Ereignis gilt als Auslöser für den Montgomery Bus Boycott, welcher von dem damals noch unbekannten Baptistenprediger Martin Luther King organisiert wurde. Dieser Bus Boycott zwang die Behörden später dazu die Rassentrennung in Bussen und Zügen aufzuheben und wurde zum Auslöser weiterer Proteste. Rosa Parks wurde zu einer Ikone der Bürgerrechtsbewegung.
Leider wurde sie dadurch auch zur Zielscheibe vieler, in den Südstaaten praktizierter rassistischer Drohungen und zog daraufhin 1957 nach Detroit, Michigan, wo sie am 24. Oktober 2005 verstarb. Rosa Parks erhielt viele Ehrungen für ihren Freiheitskampf der Afroamerikaner*innen. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die behaupten Rosa Parks habe den Platz im Bus lediglich aufgrund von Müdigkeit nach einem lagen Arbeitstag nicht geräumt und sprechen dem mutigen Handeln somit seinen politischen Anspruch ab.
Rosa Parks bekennt jedoch selbst, sie habe es satt gehabt als Mensch zweiter Klasse zu gelten und ständig nachgeben zu müssen.

“People always say that I didn’t give up my seat because I was tired, but that isn’t true. No, the only tired I was, was tired of giving in.”

ROSAL